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Agape-Liebes-Toten-Mähler und andere Banketts

Im Wesentlichen gibt es drei Strukturen von Mahlzeiten. Die alltägliche Mahlzeit hält Leib und Seele zusammen, aber es ist wie mit allen Tätigkeiten: sie sind auf dem Weg zur Vollendung des Einzelnen sowie des Kollektivs von Bedeutung. Jedes Mahl kann heilig sein, das heißt, es führt den Genießenden zu etwas Ganzem.

  

Solcher Art Mähler zu gestalten, ist seit vielen Jahren meine Praxis.

 

Agape-Mähler waren sakrale Ausspeisungen in katholischen Kirchen bis ins vierte Jahrhundert. Alle saßen um einen Tisch – während der Messe – aßen und tranken gemeinsam mit dem Priester, die Armen Brot, Salz und Wein, Reichere nach der Art der karitativen Spende.

  

Erotische Liebes-Mähler, streng unterschieden von sexuellem Konsum, sind symbolische Verleiblichungen vor allem von Früchten, etwa dem Granatapfel; aber auch von Fischen, erotisierenden Gemüsen und anderen Ingredienzien. Das Erotische ist einmal die Form der Natur, und dann die Zureichung und Zuwendung der Speise und des Tranks. So hat etwa Zarathustra das reaktionäre Stieropfer abgeschafft, während die Israeliten noch immer den Tanz ums goldene Kalb tanzten. Er hat die allgemeine Opferhandlung als Haoma besondert: die barbarische Opfer-Handlung aus Stierfleisch und Stierblut wurde sublimiert zu einem Trank aus Kumys und halluzinogenen Substanzen.

  

Nach der ersten Wahl Berlusconis zum Ministerpräsidenten von Italien entwarf ich für ihn ein Totenmahl, einen gefüllten Pfau, der im kleinen Kreis in Palladios Teatro Olimpico präsentiert und gegessen wurde.

Aktuelles

Peter Jirak ist am 10. Februar 2015 in München verstorben.

 

Ich bin nicht tot,

ich tauschte nur die Räume.

Ich leb' in euch,

ich geh' in eure Träume.

 

(Michelangelo Buonarroti)

 

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© Dr. Peter Jirak